Einbindung pensionierter Mitarbeitender bei Auftragsspitzen

Die Hitzel Oberflächentechnik GmbH & Co. KG in Rödermark ist ein inhabergeführter Handwerksbetrieb, besteht über 50 Jahre und veredelt Oberflächen mittels hochentwickelter, galvanotechnischer Verfahren. Die Fertigung erfolgt ausschließlich nach individuellen Kundenanforderungen. Um deren Spezifikationen optimal zu erfüllen, beschäftigt Hitzel technische und kaufmännische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der demografische Wandel bewirkt, dass die Anzahl junger Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildung in der Oberflächenbeschichtung seit Jahren rückläufig ist.

Ein anderer Grund für weniger Auszubildende liegt im schwach ausgeprägten Interesse junger Menschen an Berufsbildern, bei denen die Beschäftigung mit mathematischen, chemischen und physikalischen Verfahren im Vordergrund steht. Gleichzeitig sind qualifizierte Bewerbungen Berufserfahrener auf vakante Stellen weniger geworden. Die Verknappung an Fachkräften wird die Branche zunehmend betreffen. Um den demografisch bedingten Ersatzbedarf zu decken und in Zeiten von Auftragsspitzen, Urlaub oder Blockunterricht der Auszubildenden über genügend Fertigungsfachkräfte zu verfügen, greift Hitzel vereinzelt auf altersbedingt ausgeschiedene Beschäftigte zurück.

Vor sechs Jahren wurden erstmals Fachkräfte, die altersbedingt verrentet waren, auf ihre Bereitschaft hin angesprochen, zeitweise wieder im Betrieb mitzuarbeiten. Die Reaktion der Angesprochenen war positiv. Nochmals das erlernte Handwerk auszuüben sowie das sehr spezifische Fach- und Erfahrungswissen nutzbringend für den Betrieb einzusetzen, in dem man zuvor viele Jahre gearbeitet hatte, wurde von ihnen als sehr verlockend erachtet. Seitdem kommen einzelne Beschäftigte phasenweise in den Betrieb zurück und füllen bestens fachpersonelle Engpässe, indem sie einen optimalen Beitrag leisten zur Erledigung der Aufträge in gewohnter Fertigungsqualität.

Aufgrund der positiven Erfahrungen werden ältere Beschäftigte inzwischen frühzeitig vor ihrem altersbedingten Ausscheiden gefragt, ob sie bereit sein werden, während ihres Ruhestandes gelegentlich zu Hitzel zurückzukehren und für einen bestimmten Zeitraum erneut in der Fertigung mitzuwirken. Auch hier ist die Resonanz der Gefragten durchgängig positiv. Es wird hoch geschätzt, nach dem Altersausscheiden weiterhin im Betrieb gebraucht zu werden und gleichzeitig die Kontakte zu langjährigen Kolleginnen und Kollegen aufrecht zu halten. Der zeitweilige Rückgriff auf dieses Fachkräfte- potenzial stellt für Hitzel einen ersten wichtigen Schritt zur Sicherung des künftigen Personalbedarfes dar. Denn die massive Verschiebung der Altersverteilung hin zu mehr Älteren beginnt erst. Der Altersdurchschnitt der Belegschaft wird weiter steigen und es werden sukzessive mehr Fachkräfte fehlen. Insofern tut es Not, dieser Entwicklung konsequent Maßnahmen zur Fachkräftesicherung entgegen zu setzen.

Künftig gilt es, an Schulen Interesse für die Galvanotechnik zu wecken, damit junge Fachkräfte nachkommen. Des Weiteren muss der Unterricht in besserer Weise als bislang auf die Anforderungen der vorwiegend naturwissenschaftlich geprägten Ausbildung vorbereiten. Ebenso dürfen Beruf und Familie keinen Widerspruch darstellen. Die Tagesbetreuung von Kindern sowie Möglichkeiten zur Wahrnehmung von Zeiten der Pflege müssen gewährleistet sein, damit Frauen und Männer gleichermaßen in der Galvanotechnik ihre berufliche Laufbahn gestalten und die Handwerksbetriebe auch in der Zukunft ihre Leistungen mit Fachkräften erbringen können.

Beispiel: Ausgeschiedene helfen bei Auftragsspitzen

Autor

Dirk Gaza, OCCUPATIO® e.K. Outplacement

Das Unternehmen

Hitzel Oberflächentechnik GmbH & Co. KG, Senefelderstraße 7, 63322 Rödermark, www.hitzel-galvanik.de

Branche

Galvanotechnik

Ansprechpartnerin

Kerstin Hunkel-Hitzel, Geschäftsführerin, Telefon 06074 88655, kerstin.hunkel-hitzel@hitzel-galvanik.de

Belegschaft

  • 19 Mitarbeiter/innen
  • 42 Prozent Frauen und 58 Prozent Männer
  • 2 Frauen in Führungspositionen
  • 12 Mitarbeiter/innen mit Kindern
  • keine Männer in Elternzeit
  • Altersdurchschnitt : 46 Jahre

Dieses und weitere Beispiele

Die Wirtschaft in der Region FrankfurtRheinMain boomt, die Bevölkerung nimmt immer noch leicht zu, doch die Unternehmen stellen fest, dass sie die neuen Mitarbeiter, die sie benötigen, nicht bekommen.Um Unternehmen Anregungen zu geben, wie sie Beruf und Familie für ihre Mitarbeiter vereinbar gestalten können, hat das IHK-Forum Rhein-Main gemeinsam mit dem Arbeitskreis Beruf und Familie im Demografienetzwerk FrankfurtRheinMain 25 Unternehmen in der Region FrankfurtRheinMain besucht, die interessante Maßnahmen in ihren Betrieben umsetzen.

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