Einmal im Monat lädt die Geschäftsleitung zum Get-together ins benachbarte Hotel ein, mit Freigetränk und vermeintlich „lockerem Austausch“. Auf dem Papier klingt das nach einer guten Maßnahme für Mitarbeiterbindung und Unternehmenskultur. In der Praxis kommen aber nur 5 bis 10 von 200 Mitarbeitenden. Dieses Muster ist in vielen mittelständischen Betrieben typisch – besonders im Schichtbetrieb und bei sehr heterogenen Belegschaften.
Damit Du als Geschäftsleitung, Personalverantwortliche:r oder Führungskraft gezielt handeln kannst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die Gründe – und auf konkrete Stellschrauben, die Teilnahme und Nutzen deutlich erhöhen können.
Die drei wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Hauptgrund für die geringe Teilnahme ist selten „Undankbarkeit“, sondern Passungsprobleme: Zeit, Format, Ort und Ziel des Events passen nicht zum Arbeitsalltag und den Lebensrealitäten der Mitarbeitenden.
- Ein Freigetränk ist kein ausreichender Anreiz, wenn der Termin gefühlt in die Freizeit fällt, Anfahrt, Kinderbetreuung oder Überstunden dazukommen – gerade im Schichtbetrieb und in Familienphasen.
- Mehr Teilnahme erreichst Du nicht durch „mehr Druck“, sondern durch kluge Gestaltung: bessere Einbindung in die Arbeitszeit, Mitgestaltung durch Mitarbeitende, passende Formate für unterschiedliche Gruppen und aktive Rolle der Führungskräfte.
Ausgangslage: Gute Absicht, wenig Wirkung
Aus Sicht der Geschäftsleitung ist das Get-together oft als Zeichen der Wertschätzung gedacht: Man möchte Nähe zeigen, Austausch ermöglichen, vielleicht auch informell Strategien und Pläne erläutern. Gerade im Mittelstand sind solche Formate ein Baustein der Fachkräftesicherung und des Employer Branding.
Für viele Mitarbeitende fühlt sich das Angebot allerdings anders an: zusätzlicher Termin, nach einem anstrengenden Arbeitstag, oft ohne Anrechnung als Arbeitszeit, mit unklarem Nutzen – und vielleicht mit Menschen, mit denen man im Alltag wenig Kontakt hat. Das gilt im Handwerk genauso wie im Gesundheitswesen oder im Einzelhandel, wo Schichten, Wochenenddienste und private Verpflichtungen ohnehin schwer vereinbar sind.
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Die niedrige Teilnahme ist daher eher ein Symptom: Das Format passt (noch) nicht zu Euren Rahmenbedingungen und zur tatsächlichen Kultur im Unternehmen.
Typische Gründe für die geringe Teilnahme
1. Ungünstige Zeit – gefühlter Eingriff in die Freizeit
- Das Get-together findet nach Feierabend statt, oft direkt im Anschluss an eine Schicht oder sogar nach einem ohnehin langen Tag.
- Wer früh angefangen hat, ist zu dieser Uhrzeit schon erschöpft; wer Spätschicht hat, kann gar nicht teilnehmen.
- Wenn die Zeit nicht als Arbeitszeit gilt, empfinden viele es als unbezahlte Mehrarbeit – ein Freigetränk gleicht das subjektiv nicht aus.
Gerade in Branchen mit hoher körperlicher oder emotionaler Belastung (Produktion, Pflege, Einzelhandel) ist die Schwelle hoch, nach Feierabend „freiwillig“ noch im Unternehmenskontext zu bleiben.
2. Schichtbetrieb und unterschiedliche Lebensrealitäten
In einem Betrieb mit Schichtsystem leben Mitarbeitende in verschiedenen „Zeitwelten“:
- Früh-, Spät- und ggf. Nachtschichten
- Teilzeitmodelle, Minijobs, Wochenendarbeit
- Mitarbeitende mit Betreuungspflichten, langen Arbeitswegen oder Zweitjob
Ein einheitlicher Termin ist zwangsläufig für viele unpassend. Wer wiederholt nicht teilnehmen kann, verliert schnell das Interesse – „ist ja sowieso nie für uns gemacht“.
3. Unklare Zielsetzung: „Nett gemeint“, aber ohne erkennbaren Mehrwert
Viele Einladungen bleiben vage: „lockerer Austausch“, „nettes Beisammensein“. Aus Managementsicht ist klar, was damit gemeint ist. Für Mitarbeitende stellen sich aber konkrete Fragen:
- Worum geht es genau? Nur Smalltalk oder auch Informationen?
- Ist es freiwillig oder „erwartet“?
- Bringt mir das persönlich etwas – außer einem Getränk?
Wenn der Nutzen nicht klar ist, gewinnt oft das Sofa zu Hause. Studien zu Firmen-Events zeigen, dass Relevanz („Was habe ich davon?“) ein entscheidender Faktor für Teilnahme ist.
4. Hemmschwellen, Gruppendynamik und soziale Faktoren
Einige Gründe sieht man von außen kaum, sind aber wirksam:
- Introvertierte oder unsichere Personen haben Hemmungen, in gemischten Gruppen aufzutauchen.
- Neue Mitarbeitende fühlen sich nicht zugehörig („Ich kenne da doch niemanden richtig.“).
- Wenn bislang vor allem „die üblichen Verdächtigen“ kommen, verstärkt sich das Muster – andere fühlen sich nicht angesprochen.
Gerade in hierarchischen Kulturen wirkt ein Hotel-Event mit Geschäftsleitung schnell formell, auch wenn „locker“ draufsteht.
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5. Erlebte Unternehmenskultur passt nicht zur Veranstaltung
Wenn der Arbeitsalltag von hohem Druck, knapper Besetzung oder wenig Gestaltungsspielraum geprägt ist, kann ein monatliches Get-together sogar ambivalent wirken:
- „Für Getränke im Hotel ist Geld da, aber im Team fehlt seit Monaten eine Stelle.“
- „Wir sollen gesellig sein, aber auf Station/im Lager sind wir ständig am Limit.“
In solchen Situationen wird das Event als Symbolpolitik erlebt – gerade im Gesundheitswesen oder in belasteten Handwerksbetrieben. Die Folge: Distanz statt Begeisterung.
6. Kommunikationsfehler rund um die Einladung
Typische Stolpersteine:
- Einladung kommt zu kurzfristig.
- Informationen sind knapp („Wann genau? Wie lange? Muss ich mich anmelden?“).
- Es ist nicht klar, ob Teilnahme während der Arbeitszeit möglich ist (z. B. früher gehen, Schichttausch).
Unklare Botschaften senken die Teilnahme spürbar.
7. Ein Format für alle – aber nicht alle sind gleich
Ein monatliches Treffen mit Getränk im Hotel ist ein sehr spezifisches Format. Es passt nicht automatisch zu:
- Kolleg:innen, die keinen Alkohol trinken oder solche Umgebungen meiden
- Mitarbeitenden mit Familienpflichten am Abend
- Menschen, die aktivere oder ruhigere Formen bevorzugen (Spaziergang, Workshop, Frühstücksrunde etc.)
Erfahrungen aus dem Mittelstand zeigen, dass eine Mischung aus Formaten deutlich besser funktioniert als ein einziges Standard-Event.
Was die Geschäftsleitung konkret tun kann
1. Ziel des Formats klären – und transparent machen
Bevor Du am Format drehst, lohnt sich eine klare Entscheidung: Wofür ist dieses Get-together eigentlich da?
Mögliche Ziele:
- Vertrauensvoller Austausch zwischen Geschäftsleitung und Belegschaft
- Stärkung von Teamgeist und Bereichsübergreifendem Miteinander
- Informelles „Update“ zur Unternehmensentwicklung
- Willkommenskultur und Integration neuer Kolleg:innen (Onboarding)
Je klarer das Ziel, desto besser kannst Du:
- das Programm (oder Nicht-Programm) gestalten,
- das Format auswählen (Hotel, Frühstück im Betrieb, Werkstatt-Runde etc.),
- die Einladung formulieren („An diesem Abend erfährst Du… / kannst Du…“).
2. Teilnahme erleichtern: Zeit, Ort und Arbeitszeitgestaltung
Ein entscheidender Hebel ist, das Event nicht wie ein Geschenk zusätzlich zur Arbeit zu platzieren, sondern im Rahmen der Arbeitsrealität:
- Arbeitszeit statt Freizeit: Wo möglich, Teile als Arbeitszeit werten oder Schicht so planen, dass Teilnahme ohne Mehrbelastung möglich ist.
- Alternative Zeitfenster: Das gleiche Format z. B. einmal morgens als „Frühstück mit der Geschäftsleitung“ und einmal am Nachmittag oder Abend anbieten.
- Ort überdenken: Nicht jede Veranstaltung muss im Hotel sein. Manchmal ist eine gut vorbereitete Fläche im Betrieb näher dran – und senkt die Schwelle der Teilnahme.
Gerade im Schichtbetrieb ist es sinnvoll, das Get-together rotierend zu planen, damit jede Schichtgruppe realistische Teilhabechancen bekommt.
3. Formate variieren, nicht nur „Getränk im Hotel“
Um unterschiedliche Bedürfnisse zu bedienen, können mehrere Formate über das Jahr verteilt besser sein als ein einziges Standard-Event:
- kurz-formatige „Kaffee-mit-der-Geschäftsleitung“-Runden während der Arbeitszeit
- thematische Austauschformate (z. B. Sicherheitsideen in der Produktion, Entlastung im Pflegealltag)
- lockere Sommer- oder Familienfeste am Wochenende, gut geplant und klar von Arbeitszeit getrennt
- kleine Team-Budgets, mit denen Bereiche selbst passende Aktivitäten organisieren können
Wichtig: Nicht „Entertainment“ in den Vordergrund stellen, sondern echten Dialog und erlebte Wertschätzung.
4. Mitarbeitende gezielt einbeziehen
Statt im stillen Kämmerlein zu planen, hilft es, Mitarbeitende mitzunehmen:
Kurze anonyme Mitarbeiterbefragung: Was wünscht Ihr Euch? Wann hättet Ihr Zeit? Welche Formate wären attraktiv?
- Ein kleines, bereichsübergreifendes Planungsteam aus Mitarbeitenden, Personal und Führungskräften.
- Nach 2–3 Terminen gezielt Feedback einholen: „Was behalten wir bei, was ändern wir?“
Studien zeigen: Wer an der Planung beteiligt ist, kommt mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit selbst – und bringt Kolleg:innen mit.
5. Führungskräfte als echte Gastgeber:innen gewinnen
Führungskräfte sind Schlüsselfiguren:
- Wenn direkte Vorgesetzte das Event klar empfehlen, selbst präsent und offen sind, wächst die Teilnahme.
- Wenn sie selbst lieber fernbleiben oder abwartend auftreten, sendet das ein starkes Signal in die Teams.
Für Dich als Geschäftsleitung heißt das:
- Erwartungshaltung an Führungskräfte klar formulieren (Rolle als Fördernde und Fordende): Nicht nur „dabei sein“, sondern aktiv ansprechbar, gesprächsbereit, ohne „Chef:innen-Tisch“.
- Führungskräfte in Vorbereitung einbinden: Welche Themen tauchen in den Teams aktuell auf? Was sollte Raum bekommen?
Rollen-spezifische Hebel: GL, Personal, Führungskräfte
Geschäftsleitung: Strategische Klarheit und Vorbildfunktion
- Frage Dich: Wie zahlt das Get-together konkret auf unsere Fachkräftesicherung ein? (z. B. geringere Fluktuation, besserer Informationsfluss, engere Bindung an das Unternehmen)
- Kommuniziere offen, dass Du Rückmeldungen ernst nimmst und das Format anpassen willst.
- Zeige vor Ort echte Präsenz: zuhören, persönliche Gespräche, Interesse am Alltag der Menschen – nicht nur Reden halten.
Personalverantwortliche: Zielgruppenorientierte Gestaltung
- Analysiere die Belegschaft: Altersstruktur, Familienphasen, Arbeitszeiten, Pendelwege.
- Entwickle gemeinsam mit einem kleinen Gremium differenzierte Formate, die verschiedene Gruppen erreichen.
- Nutze das Event als Baustein im Gesamtkonzept von Mitarbeiterbindung und Arbeitgebermarke – zusammen mit Maßnahmen wie Sozialberatung, Familienservice, Gesundheitsangeboten usw.
Führungskräfte: Einladungskraft im Alltag
- Sprich Deine Teammitglieder persönlich an („Ich fände es schön, wenn Du kommst – mir ist Dein Blick wichtig.“).
- Sorge für faire Chancen, indem Du Dienstpläne, Urlaub und Schichten im Blick hast, soweit möglich.
- Nutze das Event, um Beziehungen zu stärken, nicht um Leistungsfragen zu diskutieren.
Praxisideen für Deinen Betrieb – speziell mit Hotel nebenan
Das benachbarte Hotel ist eigentlich ein großer Vorteil. Einige nutzbare Ideen:
- „Schicht-Häppchen“ statt großer Abendrunde: Kurze, klar getaktete Slots von 30–45 Minuten, z. B. morgens 7:00–7:45 Uhr, mittags 12:00–12:45 Uhr, nachmittags 15:00–15:45 Uhr. Jede Gruppe kommt in ihrem Zeitfenster, inkl. kleinem Snack.
- Thematische Frühstücksrunden: Einmal im Quartal „Frühstück mit der Geschäftsleitung“ zu einem konkreten Thema (z. B. neue Maschinen, Entlastung in der Pflege, Ausbildungsqualität im Handwerk).
- Willkommens-Treff für neue Mitarbeitende: Monatliches kurzes Kennenlernen im Hotel, kombiniert mit Pat:innen aus den Teams – als Teil des Onboardings.
- Familienfreundliche Formate: Kooperation mit dem Hotel für familienfreundliche Nachmittagsformate (z. B. Samstagvormittag mit Kinderangebot), wenn das zu Eurem Betrieb passt.
Wichtig ist, jedes Format klar zu definieren: Wer ist Zielgruppe, was ist der Nutzen, wann ist es Arbeitszeit, wie läuft die Einladung.
Fazit: Vom Pflichttermin zum echten Mehrwert – und wie der Fachkräftesicherer unterstützen kann
Ein monatliches Get-together ist nicht automatisch ein Erfolgsrezept für gute Unternehmenskultur. Niedrige Teilnahmequoten sind ein deutliches Signal: Format, Zeitpunkt, Rahmen und Kommunikation passen nicht zu den Menschen, die Du erreichen willst. Wenn Du diese Signale ernst nimmst, entsteht eine große Chance: aus einem gut gemeinten, aber wenig wirkungsvollen Termin ein wirkungsvolles Instrument der Fachkräftesicherung zu machen.
Die zentralen Hebel dafür sind:
- Ziele klären und ehrlich kommunizieren – Mitarbeitende verstehen, wofür ihre Zeit gefragt ist.
- Rahmenbedingungen anpassen – mehr Arbeitszeit statt Freizeit, rotierende Zeitfenster, echte Teilhabe für alle Schichten.
- Formate diversifizieren und Mitarbeitende einbinden – nicht EIN Event für alle, sondern passende Angebote für unterschiedliche Gruppen.
- Führungskräfte stärken – als glaubwürdige Gastgeber:innen und Brücke zwischen Geschäftsleitung und Teams.
Genau an diesen Punkten setzen wir als Fachkräftesicherer an. Wir unterstützen Dich dabei, Maßnahmen zu entwickeln, die nicht nur „gut aussehen“, sondern im Alltag Deiner Mitarbeitenden wirklich ankommen. Unter unseren Marken Fachkräftesicherer, Fluktuationsbändiger und Familienfreunde betrachten wir Kultur, Arbeitsorganisation und Lebenssituation der Beschäftigten immer gemeinsam – damit aus Einzelmaßnahmen ein stimmiges Ganzes wird.
Wenn Du spürst, dass Eure Events bislang eher Pflichttermin als Highlight sind, ist das ein idealer Moment, neu anzusetzen – mit klaren Zielen, echter Beteiligung und Formaten, die zu Deinem Betrieb passen. So wird aus dem monatlichen Get-together ein Baustein, der tatsächlich hilft, Fachkräfte zu halten und neue zu gewinnen.
Was Du zur Rettung Deiner Get-Together tun kannst
- Möchtest Du Dein bisheriges Get-together-Format überarbeiten? Nimm Kontakt zu uns auf und lass uns gemeinsam schauen, welche Schritte für Deinen Betrieb sinnvoll und realistisch sind.
- Inspiration und Praxisbeispiele gesucht? Abonniere den „Fachkräfte-Insider“ und erhalte regelmäßig Einblicke, wie andere KMU ihre Mitarbeiterbindung und Unternehmenskultur weiterentwickeln.
- Lust auf Austausch mit anderen Verantwortlichen aus KMU? Nimm an unserem kostenlosen Jour Fixe teil und diskutiere mit Geschäftsleitungen, Personalverantwortlichen und Führungskräften aus Handwerk, Gesundheitswesen und Einzelhandel über praxistaugliche Lösungen.
- Vertiefung gewünscht? Schau in unseren weiterführenden Beitrag zur Gestaltung familienfreundlicher Arbeitszeitmodelle – ein zentraler Hebel, wenn es um Teilnahmebereitschaft und Bindung geht.
