Wie gute Mitarbeiterbindung bei pflegenden Angehörigen funktioniert

Wenn plötzlich ein Angehöriger pflegebedürftig wird, kann das Ihren Mitarbeiter vor große Herausforderungen stellen. Gerade bei der Organisation rund um die Pflege von Angehörigen können Sie als Arbeitgeber mit funktionierenden Maßnahmen wesentlich unterstützen und entlasten. Warum gute Mitarbeiterbindung bei pflegenden Angehörigen im KMU Ihre Arbeitgeberattraktivität steigert, lesen Sie hier.

Lieber im Gespräch als nur unterwegs!

Viele UnternehmerInnen führen Ihr KMU bewusst sehr familiär. Zwischen den Mitarbeitern und dem Chef gibt es ein gutes und entspanntes Verhältnis. Jedoch gelingt es bei weitem nicht allen gleich gut die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter zu erfahren und darauf einzugehen. Mitarbeitergespräche bieten sich leider nur bedingt für direkte Fragen zum sozialen Umfeld an. Besser ist es das Gespräch vor allem während der Arbeitszeit und in den Pausen zu suchen. Wer als Chef also ständig unterwegs ist oder nie auf die Baustelle kommt, erfährt oft nur hintenrum, was wirklich im Unternehmen läuft. Ebenso bieten sich Befragungen der Mitarbeiter an.

Warum alle Mitarbeiter gleichermaßen wertvoll sind

Viele Arbeitgeber versuchen schon MitarbeiterInnen in bestimmten Lebensabschnitten besser zu unterstützen. Gerade Lohnoptimierung ist im Mittelstand ein großes Thema. Mitarbeiterunterstützung im KMU muss vor allem wirtschaftlich sein. Es muss in die Arbeitsabläufe passen und leicht umzusetzen sein. Leider wissen wir aus Erfahrung, dass oft nur wenige Mitarbeitergruppen von bereits angebotenen Maßnahmen profitieren.  Außerdem wissen längst nicht alle Mitarbeiter von diesen Maßnahmen. Das schafft jedoch im Unternehmen große Unruhe und sorgt dafür, dass sich Ihre Mitarbeiter unter Umständen nicht gleichwertig behandelt fühlen. Nichts schmerzt mehr als das Gefühl, dass Sie als Chef sich nicht um alle kümmern sondern nur um ein paar ‚besondere‘.  Im schlimmsten Fall leidet die Loyalität, dasTeamgefühl und das Betriebsklima.

Wie Sie als Arbeitgeber herausfinden, wer pflegt

Zu wissen, wer wen pflegt, ist oft schwerer herauszufinden als wer betreuungsbedürftige Kinder hat. Trotzdem ist die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie in allen Lebensabschnitten ein großes Ziel vor allem der nachfolgenden Generationen y und z. Arbeiten ja, aber nicht um jeden Preis und schon gar nicht zu Lasten der familiären Beziehungen. Die Kinder, die Eltern und die Freunde sind wichtiger als viel Geld oder viele Titel. Die Fachkräfte wollen sich selbst verwirklichen, das richtige Tun und ein gutes Leben führen und das am besten im Einklang mit Ihren Angehörigen. Werden Kinder oder Eltern krank wollen Sie sich kümmern. Und genau dabei können und dürfen Sie als Arbeitgeber gern alle Ihre Fachkräfte unterstützen.

Warum die Pflege eines Angehörigen oft sehr belastet

Ist ein Angehöriger chronisch erkrankt, (dauerhaft) behindert oder/und altersbedingt pflegebedürftig muss der Mitarbeiter oft recht kurzfristig abkömmlich sein oder/und vieles neu organisieren. Eltern, die plötzlich im Alltag mehr Unterstützung benötigen aber trotzdem keinen Pflegedienst oder ein betreutes Wohnen bzw. Pflegeheim wünschen, brauchen trotzdem Hilfe. Sei es bei Besorgungsfahrten, bei der Alltagsorganisation oder ins Bett bringen – die Kinder und die Nachbarschaft sind in solchen Zeiten oft die einzigen Vertrauenspersonen.

Pflegt man gar bis zum Tod des eigenen Partners, des Kindes oder der eigenen Eltern wirkt Pflege auch noch ausgesprochen traumatisierend und psychisch belastend. Um Netzwerke zu aktivieren und Versorgungsprozesse zu organisieren, benötigt Ihr Mitarbeiter vor allem Zeit und Wissen. Das Hetzen zwischen den Verpflichtungen am Arbeitsplatz und dem Bedürfnissen im sozialen Umfeld tut niemanden auf Dauer gut. Am Ende kommt alles gleichermaßen zu kurz und der Zusammenbruch droht.

Was gesetzlich ein Muss ist

Als Unternehmer sind Sie fachlich perfekt. Sie führen, organisieren und managen. Das Kümmern um Kunden und Lieferanten nimmt einen großen Teil des Tagesgeschäftes ein. Als KMU mit mehr als 15 Beschäftigten müssen Sie wissen, dass Ihr Mitarbeiter egal ob lange oder nur kurz da einen Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit  ab dem 01.01.2015 hat – sprich die Pflege eines nahen Angehörigen ist gesetzlich verbrieftes Recht. Die Herausforderungen für KMU mit einer sehr homogenen Altersgruppe kann sein, dass gleich mehrere Mitarbeiter plötzlich von einem Pflegenotfall betroffen sind. Dann ist es oft erforderlich die knappe Personaldecke noch mehr zu ziehen. Alternativ wäre es gut, wenn Sie als Arbeitgeber mit dem Beschäftigten die genaueren Umstände des Pflegenotfalls besprechen und generell über alle kurz- und langfristigen Unterstützungsmaßnahmen informieren. 

Warum der soziale Frieden im Betrieb wichtig ist

Ein großes Plus in jedem Unternehmen ist, wenn möglich, dass Anbieten von flexiblen Arbeitszeiten. Die Lösungen dort sind recht vielfältig. Sie sollten zum Unternehmen passen und den sozialen Frieden zwischen den Beschäftigten nicht stören. Im Grunde bietet sich auch im KMU je nach Arbeitsplatz die Gleitzeit, die Teilzeit, die Vertrauensarbeitszeit und das Führen von Arbeitszeitkonten an. Allein, dass man morgens später anfangen oder abends mal eher gehen kann, hilft den Alltag mit betreuungsbedürftigen Angehörigen besser zu händeln. Natürlich können Sie zusätzlich mit unbezahlter Freistellung, Sonderurlaub oder flexiblen Arbeitsorten arbeiten. Wer als Arbeitgeber weiß, dass die Eltern der Mitarbeiter mit im Haus wohnen, könnte auch, wenn es der Arbeitsablauf ermöglicht, einen Arbeitsplatz im Homeoffice anbieten.

Was man noch für gute Mitarbeiterbindung bei pflegenden Angehörigen tun kann

Beschäftigte jedes Alters haben Bedürfnisse und Herausforderungen, die sie manchmal davon abhalten an ihrem Arbeitsplatz zu 100% Vollgas zu geben. Als Arbeitgeber ist es wichtig mit passenden Maßnahmen alle Mitarbeiter individuell und lebensphasenorientiert zu unterstützen. Sei es beim Großziehen der Kinder, bei einer Trennungssituation in der Partnerschaft oder bei der Pflege Ihrer Angehörigen – es gilt vor allem zu ermöglichen, dass Arbeit und Leben nicht nebeneinander laufen sondern harmonisch miteinander verbunden werden. Unter Druck kann man weder beruflich noch privat gute Ergebnisse und Lösungen abliefern. Menschen, die im Heute leben und arbeiten, wünschen sich vor allem mehr Zeit und mehr Ruhe. Viele Mitarbeiter haben Verständnis für die besonderen Herausforderungen bei der Arbeit im KMU. Als Arbeitgeber können Sie Ihre Mitarbeiter noch weiter unterstützen z. B. mit erarbeiteten Vertretungsregelungen, weniger Rufbereitschaften und Reisetätigkeiten und natürlich mit der Nutzung von betrieblichen Ressourcen auch im privaten.  Auch Schichtarbeiter können Sie z. B. durch individuelle Schichtplanung oder Jobsharing kurzfristig entlasten.

Wenn Mitarbeiter in Pflegezeit gehen, benötigen Sie außerdem:

  • weiterhin direkten Kontakt zum Unternehmen, Ihrer Abteilung oder Ihrer Vertretung
  • Angebote und Hilfen zum Wiedereinstieg
  • Möglichkeiten an Weiterbildungen, Supervisionen oder Coachings teilzunehmen
  • Hilfe bei der Vermittlung von flankierenden Angeboten und Dienstleistungen während der Pflegetätigkeit, wie z. B. Trauerbegleitung oder eine Erholungskur

Wer pflegt hat deutlich mehr Belastungen auch finanzieller Art. Natürlich können Sie als Arbeitgeber auch hier unterstützen. Jedoch sollten Sie sich vorher über alle vorhandenen finanziellen Unterstützungen im gesetzlichen Rahmen informieren (lassen). Neben dem Pflegegeld stehen pflegenden Angehörigen weitere umfangreiche Hilfen und gesetzliche Unterstützungen, wie z. B. Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege zu.

Warum Ihr Mitarbeiter Hilfe zur Selbsthilfe benötigen wird

Als KMU unterstützen wir selbst schon seit mehr als 10 Jahren KMU mit unserer wissensintensiven Dienstleistung und Beratung bei der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Der plötzliche Pflegenotfall stellt viele Beschäftigten vor Fragen und Herausforderungen, die man selbst nur mit viel Zeit lösen kann. Aufwendig und mühsam muss der Alltag neu organisiert werden. Ansprechpartner, wie der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK), die Kranken- und Pflegekasse helfen zwar gern aber oft nicht vollumfänglich. Viele Alltagsprobleme erfordern weitere Recherchen und intensive Telefonate.  Man muss wissen, wo es was gibt und was einem zusteht. Auch die Reihenfolge beim Organisieren von Unterstützungsleistungen ist zu beachten.

Wenn Sie als Arbeitgeber nun Ihre Mitarbeiter organisatorisch unterstützen und entlasten wollen, können Sie z. B. wichtige Informationen zur Pflege für Ihren Mitarbeiter zusammenstellen (lassen) und im Pausenraum aushängen. Ebenso bietet es sich an unseren Wissenstransfer für KMU zu nutzen und dort insbesondere relevante Themen für Ihre Mitarbeiter in Form von Vorträgen zu buchen. So kann man schnell und detailliert einen breiten Einstieg ins Thema Beruf und Pflege anbieten.

Bilateral können Sie für Ihren Mitarbeiter oder alle Beschäftigten im weiteren Verlauf die Unterstützung durch den Fachkräfteservice buchen. Damit beantworten wir Ihrem Mitarbeiter alle Fragen, die er allgemein und zu bestimmten Herausforderungen im sozialen Umfeld hat. Generell kann es je nach Betriebsklima nötig sein alle Beschäftigten gleichermaßen für bestimmte Themen und individuelle Notlagen zu sensibilisieren. Auch das gehört zu unserem Fachgebiet. Mit Fingerspitzengefühl und praktischen Beispielen unterstützen wir gern z. B. im Rahmen einer Betriebsversammlung oder zum Mitarbeiterfrühstück.

Was Sie als Unternehmer in Ihrem KMU davon haben

Vom kleinem Handwerksmeisterbetrieb bis zum Weltmarktführer brauchen Sie als Unternehmer motivierte MitarbeiterInnen. Menschen, die gern an ihren Arbeitsplatz kommen und fachlich gute Arbeit präsentieren, bringen auch das Unternehmen voran. Alle Mitarbeiter sind Repräsentanten Ihres KMU und Ihrer Produkte. Unterstützen Sie Ihre Beschäftigten bei der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, vermindern sich Stress und Fehlzeiten durch Krankheit. MitarbeiterInnen, die sich von Ihnen als Chef gewertschätzt fühlen, empfinden eine deutlich stärkere Bindung an den Arbeitgeber. Sie erzählen einfach gern, wie toll es ist in Ihrem Unternehmen für Sie zu arbeiten. Ihr guter Ruf eilt Ihnen unter Umständen auch bei der Personalgewinnung voraus.

Warum Achtsamkeit und Offenheit im KMU notwendig sind

Das jeder seine eigenen Belange und Wünsche gut kennt, ist ein Zeichen unserer Zeit. Vielen fällt es mittlerweile schwer Fremde, Kollegen oder den Chef um Hilfe zu bitten. Manchmal fällt eine Doppelbelastung in Beruf und Familie auch nicht auf, weil ein Mitarbeiter besonders still und pflichterfüllt arbeitet. Nicht in jedem Unternehmen ist das Betriebsklima so gut, dass MitarbeiterInnen während der Arbeitszeit bereitwillig private Probleme ansprechen. In Unternehmen, wo Mitarbeiter sich achten, der Chef sehr offen mit alltäglichen Themen umgeht, gibt es das Vertrauen, was man braucht, um selbst private Probleme anzusprechen.

In diesem Sinne achten Sie auf sich, auf Ihr KMU und Ihre Mitarbeiter. Hören Sie zu, reden Sie mit und scheuen Sie sich nicht externe Unterstützung zu suchen und zu buchen. Wir beraten Sie gern und helfen beim Aussuchen der richtigen Unterstützungsangebote für sich und Ihre Mitarbeiter.

Hat Ihnen der Beitrag geholfen? Behalten Sie ihn nicht für sich!

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