CandEx: Das sollten Arbeitgeber bei der Mitarbeitergewinnung beachten

CandEx (Candidate Experience, deutsch: Bewerbererfahrung) sind alle Erfahrungen, die Bewerber im Kontakt mit einem Unternehmen sammeln. Sie beginnt beim ersten Kontakt auf Messen oder in Anzeigen, über Social Media und Werbung bis hin zur Stellenanzeige, dem Bewerbungsprozess und der Einstellung. Bei den verschiedenen Schritten der CandEx ist auch von Candidate Journey die Rede. Dabei hat der Bewerber verschiedene Berührungspunkte mit dem Unternehmen, die alle zu seiner Erfahrung mit diesem beitragen. Bei einer positiven CandEx fühlt sich der Bewerber wertgeschätzt und respektiert und bindet sich damit emotional an das Unternehmen.

CandEx von höchster Bedeutung

Mit dem Management der CandEx kann gezielt gegen Fachkräftemangel vorgegangen werden: Das intensivierte Recruiting sorgt für mehr qualitative Bewerber, die einen positiven Bezug zum Unternehmen haben. Negative Erfahrungen im Bewerbungsprozess hingegen werden sehr häufig weitererzählt und sorgen für eine Abnahme der Bewerbungen. Doch im Umkehrschluss erzählen Bewerbern auch dann von ihren Erfahrungen bei Bewerbungen, wenn sie diese besonders positiv wahrgenommen haben. Die Empfehlung als Arbeitgeber Ihres Unternehmens kann den Unterschied machen – mit einer positiven CandEx wird dies sowohl bei Zu- als auch bei Absagen erreicht. Fühlen sich Ihre Bewerber wertgeschätzt, so brechen sie deutlich weniger die Bewerbungen ab und kommt es zu einer Einstellung, so sind sie motivierter. Durch eine gute CandEx-Strategie können Sie sich einen Vorteil im Wettbewerb um geeignete Bewerber verschaffen.

Strategie zur positiven Candidate Experience

Für eine positive CandEx ist es essentiell, dass das Unternehmen sich in allen Berührungspunkten mit Bewerbern präsentiert. Ein Bewerber kann über viele Wege auf Unternehmen aufmerksam werden und es ist wichtig, ihn überall auf die richtige Weise anzusprechen. Die Kandidaten müssen vom ersten Kontakt bis zur Zu- oder Absage eine Bindung zu Ihrem Unternehmen aufbauen. In einer Studie von Kanaleo.de und dem Empfehlungsbund wurden über 1400 Bewerber kurz nach Abschluss ihres Bewerbungsprozesses nach deren sensibelsten Touchpoints während des Bewerbungsprozesses befragt. Diese Touchpoints bilden für jeden Arbeitgeber die wichtigsten Ansatzpunkte, um ihre Candidate Experience zu optimieren.

1. Der Erstkontakt

Schon der erste Kontakt ist von großer Bedeutung. Mit der zielgruppenspezifischen Ansprache kann schon viel erreicht werden. Außerdem kann bei den heutigen Bewerbern durch eine mobiloptimierte Karriereseite gepunktet werden. Kommt es dadurch dann zu einer Bewerbung, so sind folgende Strategien der Schlüssel zu einem ersten guten Eindruck: Transparenz über den Bewerbungsprozess, schnelle Rückmeldung und die Zuweisung eines persönlichen Ansprechpartners.

2. Das Auswahlverfahren


Ist der erste Kontakt gelungen, so müssen Unternehmen sich auch im Auswahlverfahren vorteilhaft präsentieren. Bei einem Bewerbungsgespräch urteilt nicht nur das Unternehmen über den Bewerber, auch der Bewerber trifft eine Entscheidung. Deshalb ist es essenziell, auf Gesprächsatmosphäre zu achten und die passenden Gesprächspartner auszuwählen. Wichtig hierbei ist allerdings, nichts Falsches zu versprechen und das Unternehmen ehrlich und offen zu präsentieren.

3. Die Absage

Passt der Bewerber nicht zum Unternehmen, so ist es dennoch wichtig, einen guten Eindruck bei der Absage zu hinterlassen. Von hoher Bedeutung ist die Nachvollziehbarkeit der Absage, bei der deshalb unbedingt auf leere Floskeln verzichtet werden sollte. Außerdem möchten Bewerber zeitig eine Rückmeldung erhalten und ihnen ist am meisten mit einer Absage zu helfen, wenn sie diese als Input für spätere Bewerbungen nehmen können.

4. Die Zusage


Bei einer Zusage müssen Sie sich nicht mehr um einen guten Eindruck kümmern? Falsch. Für die Bindung an Ihr Unternehmen ist es auch wichtig, dass der Bewerber positive Erfahrungen bei der Zusage sammelt. Wieder ist eine schnelle Rückmeldung von Vorteil, die am besten persönlich stattfindet. Außerdem sollte der Arbeitsvertrag fair verhandelt und auf die Bedürfnisse des Bewerbers als Individuum eingegangen werden.

Eine schnelle Rückmeldung ist in allen Kontaktpunkten gewünscht – doch welche Zeit empfinden Bewerber als angemessen? Auch auf diese Frage liefert die kanaleo-Studie eine Antwort: Das erste Feedback nach einer Bewerbung sollte innerhalb der ersten sieben Tage nach Eingang der Bewerbung erfolgen. Eine Einladung zum Bewerbungsgespräch erwarten die Kandidaten acht bis 14 Tage später. Sollte es zu einer Absage kommen, so wird diese auch innerhalb von sieben Tagen nach dem Bewerbungsgespräch erwartet. Wenn Sie sich an diese Zeiträume halten, tragen Sie zu einer positiven CandEx bei.

Hinweis: An dieser Stelle hat das Onboarding bereits begonnen.

Abb.1 zur CandidateExperience : Zeitraum Erstes Feedback
Abb.1 zur CandidateExperience : Zeitraum Erstes Feedback
Abb.2 Zeitraum Einladung aus CandEx Studie Kanaleo
Abb.2 Zeitraum Einladung aus CandEx Studie Kanaleo
Abb.3 zur Bewerbererfahrung (CandEx) : Zeitraum Absage+Legende
Abb.3 zur Bewerbererfahrung (CandEx) : Zeitraum Absage+Legende

Weiterempfehlung trotz Absage?

Bei einer guten Candidate Experience sind Bewerber gewillt, positiv über das Unternehmen zu erzähle, selbst wenn sie persönlich nicht eingestellt wurden. Hierfür muss die Absage allerdings angemessen gestaltet werden.

  • Der Zeitraum von sieben Tagen sollte eingehalten werden.
  • Die Form der Absage ist von großer Bedeutung: Sie sollte wenn möglich persönlich stattfinden oder im Zweifelsfall telefonisch, aber keinesfalls per E-Mail.
  • Unternehmen punkten außerdem mit Transparenz über den Auswahlprozess.

Schließlich ist auch der Inhalt einer Absage wichtig. Das Feedback sollte begründet und nachvollziehbar sein und hilfreich für spätere Bewerbungen. Diese Gründe werden am meisten akzeptiert und führen zu einer Weiterempfehlung trotz Absage:

  • Fehlende fachliche Weiterbildung oder Zertifikate
  • Gehaltsvorstellung zu hoch (Lesehinweis)
  • Zu wenig konkrete Arbeitserfahrung
  • Losverfahren
  • Andere Arbeitszeitanforderung
  • Allgemeine Fach- und Methodenkompetenz

No-Gos beim Absagen

Eine negative CandEx kann Ihrem Unternehmen sehr schaden. Sie sollten es unbedingt vermeiden, einen schlechten Eindruck bei Ihren Bewerbern zu hinterlassen. Schon die Stellenanzeige ist hier wichtig: Schreiben Sie keine unrealistischen Jobanforderungen hinein. Neben dem Einhalten der Zeiträume für Rückmeldung ist es auch wichtig, nicht die falschen Begründungen bei Absagen zu geben. Diese Gründe werden negativ von Ihren Bewerbern aufgenommen:

  • Schwierige Vertragsverhandlung
  • Nicht passende persönliche Kompetenz
  • Starttermin passt nicht
  • Nicht passende soziale Kompetenzen
  • Fehlende Referenzen

Fazit

Mit einer positiven CandEx und dem Leitspruch „Der Kandidat ist König“ verhelfen Sie Ihrem Unternehmen zu qualifizierten Bewerbern, die eine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitsplatz herstellen und durch Weitererzählung ihrer Erfahrung positiv zum Employer Branding beitragen. In allen Kontaktpunkten sollten die Kandidaten respektiert und auf eine ehrliche transparente Kommunikation geachtet werden. Auch abgesagte Bewerber können für Ihr Image als Arbeitgeber behilflich sein. Eine ausgearbeitete Strategie zur CandEx wird meist nur von großen Unternehmen erwartet. Als kleines oder mittelständisches Unternehmen (KMU) können Bewerber damit (positiv) überrascht werden. Außerdem fällt die CandEx in kleineren Unternehmen häufig leichter, da der persönliche Kontakt mehr im Mittelpunkt steht und häufig flacherer Hierarchien bestehen.

Arbeitgeber sollten bei der Mitarbeitergewinnung darauf achten, ein gutes aber realistisches Bild ihres Unternehmens bei den Bewerbern zu hinterlassen. Klick um zu Tweeten

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