Rückblick Lebensfreundlich Workshop: Ostdeutsche leicht zu führen

Zurück im Landkreis Meißen und in der wunderschönen Stadt Meißen zum Lebensfreundlich Workshop. Zum Auftakt startete das Wiederholungsprojekt der familienfreund KG zum Wissenstransfer mit einer Werksbesichtigung bei Photon Technologies Meißen durch den Geschäftsführer Michael Brandhorst. Dort dreht sich alles um zukunftsweisende Technologien, die im Betrieb entwickelt, optimiert und produziert werden. Dazu zählen Blech-Bauteile und -Baugruppen nahezu jeder Größe und Komplexität mit dem Schwerpunkt Mobilität. Mit 300 Mitarbeitern an 2 Standorten produziert der Meißner Mittelständler auch eigene Produkte für Bahn- und Automobil-Infrastruktur sowie Telekommunikation.

Die individuellen Herausforderungen der Teilnehmer

Lebensfreundlich als Arbeitgeber zu werden bzw. zu sein, umfasst vor allem eine strategische Personal- und Führungsarbeit, die idealerweise die Bedürfnisse der gesamten Belegschaft sowie des Unternehmens inkludiert. Vom gemeinnützigen Unternehmen bis hin zum großen Mittelständler gab es eine gute Vielfalt unter den TeilnehmerInnen. Das äußerte sich schon in den Erwartungen an den Workshop. 75% der TeilnehmerInnen suchen gerade aktiv Personal und haben offene Stellen zu besetzen. Von der Fachkraft für Messebau bis hin zum Projektleiter ist das Spektrum der benötigten Fachkräfte so breit, wie das Qualifizierungsniveau sowie die Anforderungen an die Stelle. Eine Kernfrage war: Wie kann ich die Arbeit attraktiver machen? Und wie decke ich zukünftig Aufträge ab? Das Binden und Finden von qualifizierten Personal ist hier ebenso schwierig, wie das von Nachwuchs.

Früher war man sehr stolz auf seinen Job

…heute ändert sich das zunehmend, formuliert einer der Teilnehmer das Kernproblem. Die Anforderungen an die Tätigkeit und an das Unternehmen haben sich geändert. Die Frage nach dem Sinn des eigenen Tuns beschäftigt viele Menschen in unserer Gesellschaft mehr denn je. Löchrige Personaldecken mit Leiharbeitern zu stopfen, ist mittlerweile schwierig. Ebenso das An- bzw. Abwerben für den eigenen Betrieb, wenn die Chemie stimmt. Die Auszubildenden, wenn sie denn gewonnen werden, bleiben nicht lange genug dabei oder haben schon eine feste Lebensplanung, wie z. B. den Familienbetrieb zu Hause übernehmen. Und dazu kommt noch die räumliche Nähe vom Meißen zu Dresden.

Ist es denn jemanden zu zumuten, dass er einen solch langen Arbeitsweg hat? Sind die Azubis von heute mobil genug und bereit zum Reisen? Der Lebensfreundlich Auftaktworkshop dient vor allem dazu die TeilnehmerInnen für die geänderten Anforderungen zu sensibilisieren. Der Begriff des Lebensfreundlichen Arbeitgebers/Unternehmens ist dabei eine Weiterentwicklung des Begriffes Work-Life-Balance. Denn Arbeit ist Leben und Leben ist Arbeit und als Mensch ist jeder eine Einheit, die sich weder während der Arbeit noch im Privatleben teilen lässt.

Strategie und Prozesse im Personalbereich sind nötig

Das Binden und Gewinnen von tollen Menschen für das Unternehmen muss strukturiert werden. Dinge, die bei Ihnen gut funktioniert haben, müssen Sie ebenso auswerten und dokumentieren, wie Dinge, die gar nicht funktionieren. Haben Sie einen Mitarbeiter oder Azubi gewonnen, gilt es diesen auch gut zu begrüßen. Geht ein Mitarbeiter, egal aus welchen Grund, ist die gute Verabschiedung wichtig, um keinen negativen Nachhall für das Unternehmen oder/und die Kollegen zu erzeugen. Die TeilnehmerInnen im Workshop haben gute Erfahrung mit echter Mitarbeiterbeteiligung gemacht. Auch die Mitarbeiterbefragung bleibt neben dem regelmäßigen Austausch ein probates Mittel, um sich und sein Unternehmen zum lebensfreundlichen und leistungsfähigen Arbeitgeber zu machen. Es muss einfach fetzen zu Ihnen zu kommen und bei Ihnen zu Arbeiten. Das können Sie sowohl durch gute Prozesse erreichen als auch durch eine gute Unternehmenskultur. Idealerweise passt bei Ihnen, als Lebensfreundlicher Arbeitgeber alles zusammen.

Ostdeutsche leicht zu führen?!

Wer marktüblich entlohnt, muss halt unter Umständen an anderer Stelle Anreize schaffen, um zu binden und zu gewinnen. Führung ist dabei kein Epiphänomen sondern nach unserem Kollegen und Führungsspezialisten Sven Lehmann aus Eilenburg, die Kunst, in einer Gesellschaft in der Individualität als höchstes Gut gilt, eine Suppe für alle zu kochen, die im besten Fall jedem schmeckt und auch noch zur Lieblingstagessuppe ernannt wird. Und so äußert einer der Teilnehmer, dass Ostdeutsche leicht zu führen sind aber nun langsam anspruchsvoller werden. Das Argument jeder ist käuflich, sollte vielleicht nicht der Leitsatz Ihrer Gewinnungskampagne werden. Intensiver zusammenarbeiten, sich selbst entwickeln oder, was besonders jeden Tag gemeinsam gestalten, wäre schon eher als Leitmotiv geeignet.

Was lebensfreundlich zusammenschweißt

Gute Erfahrung gibt es mit gemeinsamen Aktivitäten und passenden Überraschungen, die den Mitarbeiter begeistern und alle vom Pförtner bis zur Chefetage miteinbeziehen. Nichtmonetäre Bindungsmaßnahmen stehen hoch im Kurs. Dazu zählen Sportfest, Neujahrempfang, Sommerfest, ein Grillabend oder ein Weihnachtsmarkt bzw. -essen. Ob mit oder ohne Partner hängt hier individuell von der Gemengelage im Unternehmen ab. Manchmal fehlt der Partner auch ganz und die Kollegen sind die Familie. Auch, das schöne Gefühl am Arbeitsplatz überrascht zu werden, verfehlt nicht seine Wirkung. Mit einem Apfeltag, bunten Eiern zu Ostern und einer Ladung Pfannkuchen zum Fasching starten alle gut in den Tag. Benefits, wie Firmenkreditkarten, Fahrrad oder PKW und der Kinderbetreuungszuschuss sind nicht das Salz in der Suppe sondern werden schnell zu Hygienefaktoren an die sich Ihre Mitarbeiter gewöhnen. Zur Bindung und Gewinnung bzw. um sich vom Mitbewerber abzuheben, dienen Sie nur noch bedingt.

Das Gute nach außen kehren und Baustellen weiter bearbeiten

Am Ende ist es wichtig das gute im und am Unternehmen zu definieren und nach außen zu kehren. Hier gilt es für sich oder/und am besten mit den Mitarbeitern gemeinsam zu herauszufinden:

  1. Was muss der Mitarbeiter erzählen, um neue Mitarbeiter zu gewinnen? (Beachten Sie: meist verinnerlichen und erzählen Menschen nur das schlechte und nicht das gute)
  2. Wie könnten Sie Ihre Mitarbeiter dazu anhalten gut über das Unternehmen zu erzählen?
  3. Wie kommt es denn letzten Endes zu einer Empfehlung und damit unter Umständen zur Gewinnung eines neuen Mitarbeiters?

Und auch, wenn es schwierig erscheint, lohnt es sich strategisch an der Lebensfreundlichkeit, der Arbeitgebermarke und am eigenen Führungsstil zu arbeiten. Geld ist wichtig aber bekanntlich nicht alles. Gerade bei jungen Leuten geht es vor allem um den Sinn der Tätigkeit, die individuelle Ansprache und ein echtes Miteinander (für eine bessere Welt). Der Anspruch der Beschäftigten und potentiellen Kandidaten an den Arbeitgeber wächst nicht nur im Osten Deutschlands und im Landkreis Meißen. Sich ernst genommen und verstanden fühlen, wünschen sich die meisten Mitarbeiter. Eine echte Wertschätzung für die eigene Arbeit ist notwendig. Und zu guter Letzt muss der Einzelne spüren, dass er zum großen Ganzem im Unternehmen mit seinem Tun beiträgt. Viele Mitarbeiter und Kandidaten wünschen sich darüberhinaus vor allem noch Entwicklungsmöglichkeiten. Manche haben kein Problem stundenweise bestimmte Tätigkeiten bei mehreren Arbeitgebern auszufüllen.

Make or buy – Die Frage nach der Zeit

Wie viel Zeit jeder Unternehmer bzw. Personalverantwortlicher in die strategische Gewinnung und Bindung von tollen Mitarbeitern für sein Unternehmen investiert, hängt vom Tagesgeschäft ab. Hier kann make or buy die Kernfrage für das Gelingen sein. Wer die ganze Woche gute Angebote von freiberuflichen Mitarbeitern erhält, kann vielleicht bestimmte Aufgabenbereiche noch anders strukturieren oder ausgliedern, um den Mangel an Fachkräften einzudämmen. Analysieren Sie bitte auch, wie BewerberInnen zu Ihnen finden können. Wenn es lokal möglich ist an der Tür zu klingeln und nach Arbeit zu fragen, ist die Welt auf jeden Fall in Ordnung. Gibt es eine anonyme Mailadresse wie karriere@xy.de oder/und eine nicht ansprechende, ehrliche Stellenanzeige kommt vielleicht keine Bewerbung. Und auch, wenn Sie gerade niemanden suchen, sollten Sie solche Gelegenheiten zur Gestaltung von Prozessen nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Back to the Roots – einfach Ausprobieren

Auch das gelungene persönlich geführte Bewerbungsgespräch kann entgegen der anonymisierten Onlinebewerbung beim Mitbewerber einen Erfolg bringen. Gerade in Berufen, wo Ihre Mitarbeiter als Aushängeschild des Betriebes funktionieren oder/und in engmaschiger Kundenbetreuung, wie Bildung und Pflege, ist das persönliche Kennenlernen wichtig und notwendig. Viele BewerberInnen wechseln heutzutage die Jobs einfach nur. Das sollten Sie im Bewerbungsgespräch berücksichtigen und aufgreifen. Was muss anders sein, wenn der/die Bewerber(in) bei Ihnen anfängt? Wie groß sind die Erwartungen und wie kann eine Probezeit erfolgreich gestaltet werden? Am Ende des Tages muss Ihr Unternehmen reibungslos laufen. Der Schmerz aus dem Fachkräftemangel wird weiter zunehmen und Sie herausfordern. Ob Sie zu den Gewinnern im Kampf um die Talente zählen, hängt schlussendlich von Ihrem Gesamtkonzept ab.

Lebensfreundlich im Landkreis Meißen

Hier setzen wir erneut mit der Lebensfreundlich-Workshop-Reihe zur Sensibilisierung für eine zeitgemäße Fachkräftesicherung im Landkreis Meißen an und bieten Ihnen kostenfrei Wissenstransfer, Vertiefung und Austausch von ausgewählten Themen zur strategischen Personalarbeit in Ihrem Unternehmen. In weiteren 6 Workshops können Sie als Unternehmer und Personalverantwortlicher mit uns an Ihrem Konzept zur Fachkräftesicherung arbeiten. Wir freuen uns auf Sie, Ihre Kollegen und Netzwerkpartner. Empfehlen Sie uns bitte weiter. Am Montag, den 3.06.2019 treffen wir uns in Radebeul zum Thema: So unterstützt der Staat bei der Fachkräftesicherung. Je mehr UnternehmerInnen teilnehmen, um so mehr Austausch und Lernen voneinander ist möglich.

Landessignet Land Sachsen (c) freistaat.sachsen.de

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

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