Samstags und Sonntags nie! Wochenendarbeit fällt aus!

„Ich kann das Leben nicht in ein genormtes Zeitschema pressen. Es ist mein Verständnis von Arbeit, eine Lebensbalance herzustellen.“ Mit dieser Einstellung war es für Stefan Dehler von Anfang an klar: Seine Mitarbeiter/innen können ihre Arbeitszeit so flexibel wie möglich auf ihre Lebensumstände zuschneiden.

1992 gründete der heute 47-Jährige die Agentur für Werbegrafik und Marketingservice in Petersberg bei Fulda. Bei der Werbeagentur Dehler Design handeln alle Kollegen/innen individuell aus, wann und zu welchen Zeiten sie arbeiten und verwalten ihre Arbeitszeit, Überstunden und den Urlaub selbst. Der Chef kontrolliert und bestätigt.

Zu den Kernzeiten von 9 bis 16 Uhr sind die meisten vor Ort, aber Ausnahmen können ausgehandelt werden. So bringen Eltern ihre Kinder in die Schule und Alleinerziehende haben ein flexibles Arbeitszeitkonto, um ihren Nachwuchs in den Ferien zu betreuen. Beschäftigte dürfen kurze, wichtige Planungsgespräche mit ihren Angehörigen am Arbeitsplatz führen, damit sie nicht auf heißen Kohlen sitzen, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.

Praktisch heißt das: Während der eine morgens um 5 Uhr startet, arbeitet der andere bis spät in die Nacht. Ein Grafikdesigner hat immer donnerstags ab 12 Uhr frei, damit seine Frau arbeiten und er auf die Kinder aufpassen kann. Eine Kollegin, die in allen Schulferien ihre Kinder betreut, arbeitet mit Stefan Dehler schon mal halbe Nächte durch, um Projekte abzuschließen. Ein Mitarbeiter ist in das Beerdigungsinstitut seiner Eltern eingestiegen und hat ausgehandelt, wann er in genau beschriebenen Situationen gehen darf. Allerdings, jeder muss dafür sorgen, dass seine Projekte laufen und unter Umständen eine/n Kollegen/in finden, der die Arbeit übernimmt. Die Grundidee dahinter: Alle können mal ausfallen, auch der Chef.

„Wir sind so strukturiert, dass immer ein/e Kollege/in einspringen kann. Alle Infos und Akten sind so abgelegt, dass sie für jeden greifbar sind.“ Von der Flexibilität profitieren Chef und Mitarbeiter/innen. „Wir sind von 7 bis 21 Uhr erreichbar und können unsere Ressourcen zu über 90 Prozent ausschöpfen. Zudem: Zufriedene Beschäftigte arbeiten effizient, zuverlässig und verantwortungsvoll, weil sie sich mit ihrem Unternehmen identifizieren.“

Hier gilt: Wochenendarbeit nie!

Noch eine Besonderheit: In der Kreativbranche wird häufig am Wochenende gearbeitet und zwischendurch der Pizzaservice bestellt. Für Stefan Dehler war von Anfang an klar, das kommt für ihn nicht in Frage.

„Jeder Mensch braucht Pausen. Auf Dauer brennen die Leute sonst aus“, ist der Grafikdesigner überzeugt. In Petersberg heißt es daher: samstags und sonntags nie. „Dank unserer hohen Flexibilität können wir unsere Projekte immer während der Woche abschließen.“ Übrigens, neue Beschäftigte arbeiten generell zuerst zur Probe, und zwar in erster Linie, um das Klima kennenzulernen. „Denn vielen ist eine gute Stimmung wichtiger als noch mehr Geld“, so die Erfahrung von Dehler.

Fazit des Unternehmers: „Man kann mit wenig Aufwand viel erreichen. Die Mitarbeitenden wissen ihre Freiheit in der Regel sehr zu schätzen. Einziger Stolperstein: Es muss im Bewusstsein bleiben, dass diese Flexibilität etwas Außergewöhnliches ist“, so Stefan Dehler, der beim Thema Führung auf Encouraging setzt, was bedeutet, einerseits zu fordern und andererseits zu ermutigen. „Wir müssen die Beschäftigten in eine Gemeinschaft einbinden, denn jeder Mensch ist ein soziales Wesen. Und – eigentlich eine Selbstverständlichkeit – wir sollten von unseren Mitarbeitenden nur das verlangen, was wir selbst zu leisten bereit sind.“

Best Practice ohne Wochenendarbeit

Autorin

Roswitha Birkemeyer, IHK Fulda

Das Unternehmen

Dehler Design Werbegrafik & Marketing Service, Landwehr 11, 36100 Petersberg, www.dehler-design.de

Branche

Kreativbranche

Ansprechpartner

Stefan Dehler, Telefon 0661 6793232

Belegschaft

  • 10 Mitarbeiter/innen, davon 7 Frauen und 3 Männer
  • 5 Mitarbeiter/innen mit Kindern
  • 37 Jahre ist der Altersdurchschnitt

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