Mitarbeiterbindung in Zeiten von KI und Algorithmischem Management

Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) und algorithmischem Management hat bereits zahlreiche Berufsfelder verändert und neue Herausforderungen sowohl für Beschäftigte als auch für Arbeitgeber geschaffen. Insbesondere in Büros und der Gastronomie ist der Einsatz von KI-Tools zur Überwachung und Steuerung der Arbeitsleistung zunehmend verbreitet. Für Arbeitgeber und Führungskräfte wird es daher immer wichtiger, die Balance zwischen effizientem Management und der Pflege vertrauensvoller, partnerschaftlicher Beziehungen zu ihren Mitarbeitenden zu finden. Dieser Artikel beleuchtet die Auswirkungen von KI und algorithmischem Management aus der Perspektive der Arbeitgeber und Führungskräfte und diskutiert, wie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gefördert und die Mitarbeiterbindung in Zeiten von KI gestärkt werden kann.

Der Einsatz von KI und Algorithmischem Management

Überwachung und Steuerung durch KI

Der Einsatz von KI und Algorithmen zur Überwachung und Steuerung der Arbeitsleistung hat in den letzten Jahren zugenommen. Tools wie Salesforce und verschiedene CRM-Systeme überwachen die Produktivität der Mitarbeitenden und liefern detaillierte Berichte über deren Arbeitsleistung. In der Gastronomie werden Kellnerinnen und Kellner anhand von Umsätzen, Tischzeiten und Trinkgeldern bewertet. Diese Technologien ermöglichen es Arbeitgebern, die Produktivität ihrer Mitarbeitenden zu steigern und Schwachstellen zu identifizieren.

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Die Studie des britischen Forschers Steven Rolf für die Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt auf, dass der Einsatz dieser Tools in verschiedenen Branchen weiter verbreitet ist, als viele denken. Während der Einsatz von Algorithmen bei Essenskuriere weithin bekannt ist, findet sich diese Technologie auch in weniger erwarteten Bereichen wie der Restaurantbranche und Bürojobs.

Vorteile für Arbeitgeber

KI-gestützte Überwachungssysteme bieten Arbeitgebern zahlreiche Vorteile. Sie können dabei helfen, ineffiziente Prozesse zu identifizieren und zu optimieren, Mitarbeitende gezielt weiterzubilden und die Gesamtproduktivität zu steigern. Algorithmen können Routineaufgaben übernehmen, sodass sich Mitarbeitende auf komplexere und kreative Aufgaben konzentrieren können. Dies kann zur Steigerung der Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beitragen.

Ein weiterer Vorteil liegt in der präzisen Leistungsmessung. Arbeitgeber können genau nachvollziehen, welche Mitarbeitenden besonders effizient arbeiten und welche möglicherweise Unterstützung benötigen. Dies ermöglicht eine gezielte und faire Personalentwicklung, die auf objektiven Daten basiert.

Herausforderungen und Risiken

Trotz der Vorteile bergen diese Technologien auch erhebliche Herausforderungen und Risiken. Die ständige Überwachung kann zu einem hohen psychischen Druck bei den Mitarbeitenden führen und das Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und den Führungskräften beeinträchtigen. Eine übermäßige Fokussierung auf quantitative Leistungskennzahlen kann die Qualität der Arbeit und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden negativ beeinflussen.

Rolfs Studie weist darauf hin, dass die Nutzung solcher Systeme oft mit einer fehlenden Transparenz einhergeht. Viele Beschäftigte sind sich nicht bewusst, dass ihre Leistung kontinuierlich überwacht und bewertet wird. Dies kann zu Misstrauen und einer Verschlechterung des Arbeitsklimas führen.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit und Mitarbeiterbindung

Bedeutung von Vertrauen und Partnerschaft

Eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Beziehung zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten ist essenziell für eine nachhaltige Mitarbeiterbindung. Vertrauen fördert die Loyalität, Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeitenden, was sich positiv auf ihre Leistungsbereitschaft und das Betriebsklima auswirkt. Führungskräfte sollten daher aktiv daran arbeiten, ein Umfeld zu schaffen, das auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt basiert.

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Maßnahmen zur Förderung des Vertrauens

Transparente Kommunikation

Eine transparente Kommunikation ist der Schlüssel zu einem vertrauensvollen Arbeitsumfeld. Führungskräfte sollten offen über den Einsatz von Überwachungstools informieren und deren Zweck und Nutzen klar kommunizieren. Mitarbeitende sollten die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern.

Beteiligung und Mitbestimmung

Mitarbeitende sollten in Entscheidungsprozesse einbezogen und ihre Meinungen und Vorschläge berücksichtigt werden. Dies kann durch regelmäßige Meetings, Umfragen und Feedbackrunden erreicht werden. Eine partizipative Führungskultur stärkt das Zugehörigkeitsgefühl und die Bindung an das Unternehmen.

Schulung und Weiterbildung

Gezielte Schulungen und Weiterbildungen helfen den Mitarbeitenden, sich weiterzuentwickeln und ihre Fähigkeiten auszubauen. Arbeitgeber sollten regelmäßige Schulungsangebote bereitstellen, um die Mitarbeitenden auf die Herausforderungen der digitalen Transformation vorzubereiten und ihre Kompetenzen zu stärken.

Wertschätzung und Anerkennung

Wertschätzung und Anerkennung sind zentrale Elemente einer positiven Arbeitskultur. Führungskräfte sollten die Leistungen und Erfolge ihrer Mitarbeitenden regelmäßig anerkennen und würdigen. Dies kann durch Lob, Auszeichnungen oder finanzielle Anreize geschehen.

Überblick über AAMS-Funktionen

In der obigen Studie gibt Steven Rolf einen Überblick über Funktionen eines AAMS1.

Überblick über AAMS-Funktionen (c) Steven Rolf, 2024

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

EU-Plattformarbeitsrichtlinie

Die rechtlichen Rahmenbedingungen setzen dem Einsatz von KI und algorithmischem Management Grenzen. Die EU hat sich zuletzt auf die EU-Plattformarbeitsrichtlinie geeinigt, die Scheinselbstständigkeit auf Digitalplattformen bekämpfen und Vorschriften zum algorithmischen Management enthalten soll. Diese Richtlinie sieht unter anderem ein Verbot der Verarbeitung von Emotionen und automatisierten Kündigungen durch Algorithmen ohne menschliche Aufsicht vor. Zudem dürfen automatisierte Überwachungs- und Entscheidungssysteme keinen übermäßigen Druck auf die Plattformbeschäftigten ausüben und nicht deren Sicherheit sowie körperliche und psychische Gesundheit gefährden.

Nationales Recht

Auch in Deutschland sind gesetzliche Vorstöße geplant (Stand heute / Juli 2024). Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Innenministerin Nancy Faeser haben ein Beschäftigtendatenschutzgesetz angekündigt, das Maßnahmen zur dauerhaften Überwachung nur unter engen Voraussetzungen zulässig machen soll. Die Sicherheit und der Schutz der Beschäftigten stehen hierbei im Vordergrund. Ein Gesetzesentwurf soll nach Abschluss der regierungsinternen Abstimmungen vorgelegt werden.

Argumente für und gegen eine Mitarbeiterbindung

Pro Mitarbeiterbindung

  • Reduzierte Fluktuation: Eine starke Mitarbeiterbindung reduziert die Fluktuationsrate und die damit verbundenen Kosten für Rekrutierung und Einarbeitung neuer Mitarbeitender.
  • Höhere Produktivität: Zufriedene und engagierte Mitarbeitende sind produktiver und leisten einen größeren Beitrag zum Unternehmenserfolg.
  • Besseres Betriebsklima: Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit trägt zu einem positiven Betriebsklima bei, was die Motivation und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden fördert.
  • Wettbewerbsvorteil: Unternehmen mit einer hohen Mitarbeiterbindung sind oft attraktiver für Talente und können sich besser im Wettbewerb behaupten.

Contra Mitarbeiterbindung

  • Kosten: Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeiterbindung, wie Schulungen und Weiterbildungen, können hohe Kosten verursachen.
  • Widerstand gegen Veränderungen: Langjährige Mitarbeitende können resistenter gegenüber Veränderungen und neuen Technologien sein.
  • Abhängigkeit: Eine zu starke Bindung kann zu einer Abhängigkeit von einzelnen Schlüsselpersonen führen, was das Unternehmen bei deren Weggang destabilisieren könnte.

Fazit und Handlungsempfehlungen für die Mitarbeiterbindung in Zeiten von KI

Eine effektive Mitarbeiterbindung in Zeiten von KI und algorithmischem Management erfordert ein sorgfältiges Abwägen der Vor- und Nachteile sowie eine gezielte Strategie zur Förderung eines vertrauensvollen und partnerschaftlichen Arbeitsumfelds. Hier sind einige Handlungsempfehlungen für Betriebe:

  • Offene und transparente Kommunikation über den Einsatz von KI und Überwachungstools.
  • Einbeziehung der Mitarbeitenden in Entscheidungsprozesse und Förderung der Mitbestimmung.
  • Bereitstellung von Schulungen und Weiterbildungen zur Stärkung der Kompetenzen.
  • Regelmäßige Anerkennung und Wertschätzung der Leistungen der Mitarbeitenden.
  • Überprüfung und Anpassung der Überwachungssysteme, um psychischen Druck zu vermeiden und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
  • Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und Richtlinien zum Schutz der Privatsphäre und der Gesundheit der Mitarbeitenden.
  • Stärkung der Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Interessenvertretungen zur Schaffung fairer Arbeitsbedingungen.

Durch die Umsetzung dieser Maßnahmen können Arbeitgeber und Führungskräfte nicht nur die Mitarbeiterbindung stärken, sondern auch eine nachhaltige und erfolgreiche Unternehmenskultur fördern.

Thomas Kujawa von fachkraeftesicherer.de Rufen Sie mich unter   0341 35540812 an oder senden Sie mir eine Nachricht. Ich werde mich schnellstmöglich melden.
  1. AAMS (KI und algorithmisches Management): Breite Palette von Softwaresystemen, die von Führungskräften zum Einstellen, Schulen, Verwalten, Evaluieren und/oder Belohnen oder Disziplinieren von Mitarbeitenden verwendet werden. AAMS enthalten einige Elemente der Management-Automatisierung, von einfachen Automatisierungen bestimmter Prozesse bis hin zum Einsatz von KI, die viele Managementfunktionen anpasst und integriert. ↩︎

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